
SPELDOK-AUSTRIA HANDBUCH ZUM ÖSTERREICHISCHEN HÖHLENVERZEICHNIS (Speldok-10)
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4 Karst- und Höhlengebiete Österreichs
Rudolf Pavuza
In der beiliegenden Karte (Abb. 6) ist – in
schw arzer Farbe unterlegt – überblicksartig
die Verbreitung der verkarstungsfähigen
Gesteine (nicht der Höhlengebiete!) – insge-
samt mindestens 15 % des österreichischen
Staatsgebietes – ausgew iesen. In diesen
überw iegend karbonatischen Gesteinen finden
sich naturgemäß die meisten der derzeit rund
14 000 Höhlen Österreichs (inklusive jener
des bayerischen Alpenraumes). Doch auch
außerhalb dieser Zonen konnten und können
immer w ieder bedeutende Höhlen entdeckt
w erden.
Der Nordosten Österreichs hat einen flächen-
mäßig erheblichen Anteil am
Südböhmi-
schen Kristallin,
das durch Mühl-, Wald- und
(teilw eise) das Weinviertel repräsentiert w ird.
Verkarstungsfähige Gesteine (hauptsächlich
Marmor) finden sich hier nur sehr selten, die
Höhlen sind zumeist rein tektonisch entstan-
den oder auch als teilw eise recht ausgedehnte
Blockhöhlen in Nichtkarstgesteinen (z.B.
Granit) entw ickelt.
In den
Beckenlandschaften
(z.B. Wiener
Becken) gibt es gesteinsbedingt nur recht
w enige Höhlen, die dann zumeist in verfestig-
ten Konglomeraten und jungtertiären Kalken
(z.B. Leithakalk) entw ickelt sind. Auch die
südlich anschließende
Molasse-
und die
Flyschzone
sind materialbedingt äußerst
höhlenarm, w iew ohl auch nicht w irklich hinrei-
chend untersucht.
Im
Helvetikum bzw. Ultrahelvetikum
trifft
man im vor allem im Westen Österreichs, in
Vorarlberg, auf einen breiten Bereich bedeu-
tender und höhlenreicher Karstgesteine
jurassisch-kretazischen Alters (z.B. Schratten-
kalk)
In den
Nördlichen Kalkalpen,
wo sich der
flächenmäßig w eitaus größte (und die Abb. 6
auch entsprechend dominierende) und viel-
fach zusammenhängende Bereich verkars-
tungsfähiger Gesteine befindet, dominieren
triassische Karstgesteine, vor allem Dach-
steinkalk, in dem die w eitaus größten Höhlen-
systeme entw ickelt sind und der hauptsächlich
im östlichen Bereich der Nördlichen Kalkalpen
verbreitet ist. Daneben sind exemplarisch
Wettersteinkalk und -dolomit sowie Hauptdo-
lomit zu nennen. Alle genannten Gesteine
können Mächtigkeiten von 1000 Metern und
mehr erreichen. Die Dolomitgesteine sind
zw ar als Höhlenmuttersteine aufgrund ihrer
gesteinsmechanisch bedingten Brüchigkeit
relativ w enig bedeutend, als Karstw asserspei-
cher jedoch durchaus von erheblicher Rele-
vanz für die Trinkw asserversorgung im alpinen
Raum. Die geringer mächtigen jurassisch-
kretazischen Karstgesteine sind in den Nördli-
chen Kalkalpen zw ar oftmals bereits der
Erosion zum Opfer gefallen, jedoch als Träger
des Karstphänomens mancherorts von durch-
aus regionaler Bedeutung (z.B. Plassenkalk,
Oberalmer Schichten).
Die
Zentralalpen
erscheinen auf den ersten
Blick für die Höhlenbildung w eniger prädesti-
niert, doch findet sich hier eine überraschen-
de, w enngleich oft kleinräumige Vielfalt an
meist metamorphen Karbonaten (Marmoren),
die in w eiten Bereichen noch einer genauen
karstkundlichen Untersuchung harren. In den
tektonisch höheren Bereichen der Zentralal-
pen zeigen sich dabei durchaus Verw andt-
schaften der triassischen Schichtfolgen mit
jener der Nördlichen Kalkalpen – so etw a in
den Niederen Tauern. In den Hohen Tauern
indessen finden sich bedeutende Karst- und
Höhlengebiete hauptsächlich in den jurassi-
schen Hochstegen- und Klammkalken.
Im Südosten des Bundesgebietes liegt mit
dem
Grazer Paläozoikum
der größte zu-
sammenhängende Bereich von schw ach
metamorphen Kalken devonischen Alters (z.B.
Schöcklkalk), w o eine große Zahl bedeutender
und überaus tropfsteinreicher Höhlen behei-
matet ist.
Die
Südlichen Kalkalpen
(Nordkaraw anken,
Dobratsch, Lienzer Dolomiten) und die
Südal-
pen
(Karnische Alpen, Südkaraw anken), sind
durch die „Periadriatische Naht“, eine gew alti-
ge, hunderte Kilometer lange Bew egungsflä-
che getrennt. Hier gibt es sow ohl recht mäch-
tige Karstgesteine aus der Trias (untergeord-
net auch aus dem Jura), als auch aus dem
Paläozoikum, das vor allem in den Südalpen
größere Mächtigkeiten erreicht (z.B. Trogko-
felkalk).
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